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Ähnlichkeiten bei Farbenschlägen der Haustaube bei unterschiedlichen Erbfaktoren

Mimics in the Colorations of the Domestic Pigeon (see below)

 

Dun und Braun

Ein oder sogar das Standardbeispiel für genetisch unterschiedliche Farbenschläge mit ähnlichem Erscheinungsbild ist die Ähnlichkeit von Dun und Braun. Äußerlich sind beide Farbenschläge im Ausstellungskäfig kaum zu unterscheiden. Es gibt einige Indizien, die für den einen oder den anderen Farbenschlag sprechen, aber keine Gewißheit. Die mangelnde Gewißheit liegt daran, dass auch andere Erbfaktoren das Farbbild etwas modifizieren können. So sehen z.B. blaue Tauben mit dem Dirty-Faktor anders aus als ohne, blaue Tauben mit dem Smoky-Faktor unterscheiden sich ebenfalls etwas von anderen, und solche Unterschiede kann es auch innerhalb der Gruppe vpn Dunfarbenen und der Gruppe von Braunen geben. Die Farbenschläge Dun und Braun können sich äußerlich damit überlappen. Unmittelbar nach dem Schlupf ist der Unterschied zwischen Dun und Braun erkennbar, denn Dunfarbene als Verdünntfarbenschlag werden nackt bzw. kurzbedunt geboren.

 Leipzig-2009-163

Stargarder Zitterhals dunfarbig

Für den Züchter ist die Frage „Dun oder Braun“ wichtig, denn im Zuchtschlag werden sich die Unterschiede in bestimmten Kombinationen in unterschiedlich gefärbter Nachzucht zeigen. Für genetisch Interessierte ist es auch wichtig, weil sich so überraschende Ergebnisse erklären lassen.  Für genetische Laien, die den Unterschied zwischen Dun und Braun weder aus der Praxis noch aus der Literatur kennen, dienen solche scheinbar den Regeln der Genetik widersprechenden Ergebnisse allerdings oft als Alibi, um sich mit den genetischen Grundlagen gar nicht erst befassen zu müssen.

Zu den überraschenden Ergebnissen: So wird z.B. ein brauner Täuber mit einer braunen Täubin nur braune Jungtiere bringen. „Braun“ kann hier auch braunfahle oder braunfahlgehämmerte Junge bedeuten. Wenn es sich um einen dunfarbenen Täuber handelt, dann werden daraus auch schwarze Täuber fallen. Wenn also überraschend ein schwarzes Tier anfällt, dann ist es keine Fremdbefruchtung, der Grund liegt in der bis dahin falschen Einordnung des Täubers. Zu den Möglichkeiten der Unterscheidung: Aus den Ergebnisse bei bestimmten Verpaarungen, wie vorstehend als Beispiele genannt, kann man Aussagen über den genetischen Hintergrund ableiten. Bei Alttieren kann es eine Hilfe zur Unterscheidung sein, dass Braune zu einer Aufhellung der Augenfarbe neigen und auch bei sonst orangeäugigen Tauben Aufhellungen in Richtung Perlaugen zeigen. 

Milky und Verblassung bei Süddeutschen Blassentauben

Über einen anderen Fall der Ähnlichkeit von Farbenschlägen mit einem unterschiedlichen genetischen Hintergrund wurde bereits am 2007 auf dieser Homepage berichtet. Bei Süddeutschen Blassen tauchten überraschend in zwei Zuchten milkyartige Tauben auf. Milky oder „milchfarben“ ist eine Bezeichnung, die W. F. Hollander einer aus Schwarz aufgelockerten Färbung gegeben hat, die aus dem indisch/pakistanischen Raum mit Pfautauben, Mookees und Lahore nach Europa und Amerika gelangt ist. Der Erbfaktor, der diese Färbung in bestimmten Genkombinationen hervorruft, verhält sich rezessiv und nicht geschlechtsgebunden. Am besten verbreitet ist er bei der bindigen Variante bei Pfautauben. Daneben gibt es den Faktor in der Kombination mit dem Farbausbreitungsfaktor als „silber“ bei Lahore und Mookees. Von silbernen Lahore hat Wolfgang Schreiber den Faktor in die Brünner Kröpfer eingebracht. Von dort ist er auf weitere Kröpferrassen übertragen worden. So wurden auf den Großschauen Sächsische Kröpfer in der bindigen Milky-Variante gezeigt. Bei Süddeutschen Blassen war die Färbung bisher nicht bekannt. Daher war es völlig überraschend, dass ähnlich gefärbte Tauben in der Zucht bei Karl-Heinz Mohr in der Umgebung Hamburgs und bei Manfred Pucher, Rügen, aufgetreten sind. Zuchtaufzeichnungen von K.H. Mohr deuteten auf einen rezessiven und nicht geschlechtsgebundenen Faktor als Ursache hin, denn sonst hätten aus blauen Paaren neben solchen milkyähnlichen Weibchen keine gleich gefärbten Täuber fallen können. Und dieser rezessive, nicht geschlechtsgebundene Erbgang ist von den ähnlich gefärbten milky Pfautauben und silbernen Mookee und Lahore bekannt.

http://www.taubensell.de/3-150-5040_IMG.jpg

Indische Pfautaube milky

Dass Ähnlichkeit nicht identische genetische Ausstattung bedeutet, das wies in diesem Fall Andreas Boisits durch die Verpaarung einer milkyartigen Blasse aus der Zucht in Vorpommern mit einer silberfarbigen Mookee nach. Wie schon im Buch „Vererbung bei Tauben“ aufgezeigt, zeigte sich die Färbung der beiden Eltern nicht beim Jungtier, was als Indikator dafür genommen wird, dass die Färbung bei den beiden Tieren von unterschiedlichen rezessiven Erbfaktoren bewirkt wird. Dieses Ergebnis konnte jetzt für ein anderes Paar mit einer Süddeutschen Blassentäubin aus der Zucht von Karl-Heinz Mohr und einem silber Mookee-Täuber aus der Zucht von Rolf Reinke bestätigt werden. Das daraus gefallene Jungtier war schwarz gefärbt und zeigte die den beiden Eltern gemeinsame weiße Kopfplatte.

 

Zur genetischen Erklärung: Der vom Vater übernommene Milky-Faktor verhält sich zu dem bei der Täubin an diesem Lokus vorhandenen Wild-Typ-Faktor „Nicht-Milky“ rezessiv und kann sich nicht zeigen. Der von der Mutter übernommene Verblassungsfaktor verhält sich gegenüber dem an diesem Lokus vorhandenen Wild-Typ-Faktor „Nicht-Verblassung“ ebenfalls rezessiv und kann sich daher auch nicht zeigen. Bei zwei bindigen Tieren wären als Nachzucht blaue Tiere mit Binden zu erwarten gewesen. Da in diesem Fall der silber Mookee-Täuber den Farbausbreitungsfaktor trägt, gibt es schwarze Nachzucht. Die genetische Formel für die Jungtiere ist my//+, bmy//+, S//+, wenn der milkyähnliche Verblassungseffekt mit bmy abgekürzt wird. Wenn Jungtiere aus dieser Verpaarung und aus parallelen gleichartigen Verpaarungen miteinander verpaart werden, um eine F2 zu erhalten, dann ist zu erwarten, dass sowohl die Verblassung der Mookee als auch die Verblassung der Süddeutschen bei einem Teil der Nachkommen zum Vorschein kommt. Bei einem geringen Teil der Nachkommen sind auch beide Faktoren kombiniert in Reinerbigkeit zu erwarten. Prognosen über das Erscheinungsbild sind spekulativ. Die Verblassungen könnten sich verstärken, so dass sehr helle Färbungen entstehen. Aus Erfahrungen mit anderen Erbfaktoren scheint auch möglich, dass einer der Faktoren den anderen gar nicht zur Wirkung kommen läßt, ihn unterdrückt. Vielleicht ergibt sich auch eine völlig neue Farbgebung – ohne einen Versuch wird man es nie erfahren.

Nach den Erfahrungen mit Milky bei Mookee und milkyartigen Süddeutschen Blassen wird man nicht mehr sicher davon ausgehen können, dass alle nach dem Erscheinungsbild als Milky klassifizierten Tiere in den verschiedenen Rassen genetisch denselben Erbfaktor besitzen. In den Büchern „Taubenfärbungen“ und „Vererbung bei Tauben“ sind daher auch schon verschiedene Milky-Varianten oder Milky-Mimics abgebildet.

Mimics in the Colorations of the Domestic Pigeon

Several phenotypes in the domestic pigeons are almost identical despite an often quite different genetic background. A standard example is the dun coloration, genetically diluted Spread Black with the genetic code S//S, d//d and on a black color basis (wild-type) for homozygous cocks. This coloration often is confounded with brown, genetically intense Spread brown color basis with the genetic code S//S, non-dilute and b//b for homozygous cocks. A firm classification is possible in the first days after hatching since dilutes in contrast to intense brown are short downed. For adult pigeons test mating can settle the question.  A second example is the discovering of a washing out effect similar to milky Fantails in South German Blasse-Pigeons. Blasse in German means the white cap typical for this breed, also known as Priest-marking. A report was still presented at this homepage the april 2007. Andreas Boisits was the first to test the trait by a cross with a silver Mookee, genetically Spread Milky. He got one non-milky young. Now the author again made the same test with a silver Mookee cock and a washed out Blasse hen from other strains. The black young presented at the attached photo confirmed the previous finding.  If we use bmy as a symbol for the Blasse-milky-mimic trait, the genetic code of this young is given by my//+, bmy//+ and S//+. These results in mind it seems probable that in several breeds pigeons classified as milky carry quite another gene. The books “Colorations of the Domestic Pigeon” and “Vererbung bei Tauben” (Inheritance in Pigeons) by Axel and Jana Sell contain several photos of milky variants or milky-mimics.