Home

Buch-Shop  

Ausstellungen

Genetik

Archiv

Literatur

   Links

Impressum

Facebook

 

 

Book-Shop

Shows

Genetics

Archive

Literature

 

 

 

 

Almondfarbene Tauben, Stipper und Gensymbole: Das Stipper-Gen St

(Almonds and Gen-Symbols: St)

 Die Almondfärbung

 Englischer Short Faced Tümmler (1,0) mit erkennbarer Dreifarbigkeit in den Schwanzfedern (Musterfedern)

 Almond ist ein Farbenschlag der Englischen Short Faced Tümmler. Ähnlich gefärbte Tiere gibt es bei den Orientalischen Rollern, den Portugiesischen Tümmlern, den Deutschen Modenesern und anderen Rassen. Bei diesen Rassen wird der Farbenschlag „Vielfarben“ genannt und in der Beschreibung lässt er im Hinblick auf die Färbung mehr Spielraum. Es gibt in diesen Rassen daher Vielfarbene, die in der Färbung guten Almonds gleichen, daneben aber auch andere, die zum Teil ganz weit davon entfernt sind.

 

  

 Vielfarbene Varianten bei Deutschen Modenesern

 

    

 Vielfarbene Deutscher Modeneser (links), Portugiesischer Tümmler (Mitte) und Orientalischer Roller (rechts)

 Die Grundfarbe wird bei den Englischen Short Faced mandelgelb gefordert. Nach jeder Mauser ist das Gefieder mit mehr schwarzen Spritzern durchsetzt. Schwingen und Schwanz sind davon abweichend gefärbt, hier sollen auf gelbem Grund weiße und schwarze Flecken zu sehen sein. Im Idealfall, der aber kaum vorkommt, sind alle Federn dreifarbig. Man spricht von „Musterfedern“. Gut gefärbte Almonds sollten zumindest einige davon besitzen. Bei den Vielfarbenen ist der Variantenreichtum so groß, dass es schwer ist zu entscheiden, ob die Unterschiede darauf zurückzuführen sind, dass das übrige Erbbild unterschiedlich ist, oder ob unterschiedliche Varianten des Gens vorhanden sind. Das Gen hat mit Faded, Sandy und einigen anderen Faktoren bekanntlich schon mehrfach eine Mutation erlebt.

 Das Stipper- bzw. Almond-Gen St

 Almond ist in der gängigen Literatur aber auch die Bezeichnung für einen Erbfaktor. Dieser ist für das Farbspiel der Almondfärbung unverzichtbar, aber nicht nur für diese. Dieser Faktor ist auch für das Farbspiel der Dänischen Stipper und der Schwarz- und Silbersprenkel bei anderen Rassen verantwortlich. Dänische Tümmler sind die Rasse, bei der der  Faktor zum ersten Mal wissenschaftlich untersucht wurde, und zwar von den Norwegern Wriedt und Christie, die darüber 1925 in der Zeitschrift für induktive Abstammungs- und Vererbungslehre auf deutsch publizierten. Sie hatten den Faktor bei Dänischen Graustippern analysiert und als Erbsymbol St gewählt. Die Bezeichnung der Dänischen Stipper in Dänemark: Staenkede Gra (Graustipper), Gul (Gelbstipper) und Brun (Braunstipper). Alle drei Farbenschläge der Dänischen Tümmler werden auf der Basis von St gezüchtet.  

  

 

Links: Dänischer Graustipper; Rechtes Bild oben: 1,0 Dänischer Tümmler Gelbstipper und gelb-agate, unten 1,1 Dänische Tümmler Braunstipper, links reinerbiger Täuber. Quelle: Axel und Jana Sell, Vererbung bei Tauben, Oertel + Spörer, Reutlingen 2004.

 Christie und Wriedt haben sich auch Gedanken über eine bessere und treffendere Benennung der Farbenschläge gemacht und schreiben eingangs von weiß-schwarzgesprenkelt, unsere heutigen Graustipper, braun-schwarzgesprenkelt und hellbraun-graugesprenkelt, unsere heutigen Braun- und Gelbstipper. Sie weisen auch darauf hin, dass die Braun-schwarzgesprenkelten und die Hellbraun-graugesprenkelten Farbenschläge der Englischen Short Faced Tümmler sind. Auch heute wird, wie schon von Wriedt und Christie, die unlogische Bezeichnung moniert, da Graustipper zwar graue Stippen besitzen, Braunstipper aber keine braunen und Gelbstipper keine gelben Stippen. Und auch bei den Graustippern ist die Stippung eher schwarz, silbergrau ist nur die Grundfärbung von Kopf und Backen.

Die „schwer im Munde liegenden“ Bezeichnungen von Wriedt und Christie haben sich in Züchterkreisen nicht durchgesetzt, wie man an der dänischen und deutschen Benennung ablesen kann. Die Englischen Short Faced in dieser Färbung wurden auch schon vorher Almond genannt und natürlich nicht umbenannt. Die Züchter würden sich auch wundern, wenn sie ihre Tiere auf einmal braun-schwarzgesprenkelt nennen sollten.

Originell ist die Kritik an der Wortwahl daher nicht und sie wird immer wieder einmal aufkommen. Eingeführte Begriffe sind aber nur schwer zu ändern, wenn man keinen griffigen neuen anzubieten hat.

In den USA hat man den Faktor, bei Beibehaltung des Symbols St, von Anfang an Almondfaktor, und nicht Sprenkel- oder Stipperfaktor, genannt. Wenn die Grundfarbe braun-gelb ist, dann hat man eine schwarze oder graue Sprenkelung auf braun-gelbem Grund. Diese Grundfärbung ist es, die schon Fulton 1876 mit der Färbung der Almond-Nuss assoziiert hat. Wenn der Faktor allerdings auf weißem oder hellgrauem Grund auftritt, dann besteht optisch keine Verbindung zur Almondfärbung.

Die Worte „Staenkede“, „Stipper“ und auch „Sprenkel“ sind im Englischen nicht geläufig, „to stipple“, tüpfeln, ergibt eine Verbindung zur Erscheinung und auch zu den Anfangsbuchstaben des Symbols, es wäre dann das „Stipple“- oder „Stipper-Gen“. Mit der inzwischen gegebenen Verbreitung in vielen Rassen ist es wohl zweckmäßig, der Kritik an der Bezeichnung nachzugeben, und von Stipper-Gen zu sprechen. Wie dargelegt, ruft der Faktor unabhängig von der Grundfärbung, ob nun weiß, grau oder almond, eine Stippung oder Sprenkelung hervor. Sprenkelung statt Stipper (Staenkede) als Begriff hätte den Nachteil, dass man damit die Anfangsbuchstaben des Symbols St nicht einfangen könnte.

 

Reinerbige Almonds

 Schon seit Fultons Zeiten ist bekannt, dass aus zwei Almonds weiße Jungtiere mit Augen- und sonstigen Defekten fallen. Seit den Untersuchungen von Wriedt und Christie, die über ihre Ergebnisse 1925 in der Zeitschrift für induktive Abstammungs- und Vererbungslehre berichten, wissen wir, dass die Ursache nicht in der mandelgelben Grundfärbung liegt, sondern darin, dass es sich bei den Almonds um Tiere handelt, die einen geschlechtsgebundenen Erbgang für die Stippung bzw. Sprenkelung besitzen. Deshalb tritt die Erscheinung auch bei Graustippern auf, mit denen die Autoren ihre Analyse durchführten, und die mit der Almondfärbung keine Ähnlichkeit haben. Wir wissen durch sie auch, dass der verantwortliche Faktor nur bei reinerbigen Täubern für eine weiße Färbung und die beschriebenen Defekte sorgt, Täubinnen und spalterbige Täuber sind nicht betroffen.

Nun hört man bei Züchtern einiger Rassen und auch gelegentlich von Englischen Short Faced, dass bei ihnen die geschilderten Probleme nicht auftauchen, es sich wohl um einen anderen Faktor handele. Zu einigen eigenen Erfahrungen. Aus zwei Braunstipperpaaren aus Dänemark aus einer damaligen führenden Zucht wurden im ersten Zuchtjahren 18 Jungtiere gezogen. Ein Weißes davon ging im Alter von 10 Tagen ein, drei weitere waren ebenfalls weiß gefärbt, hatten Bewegungsstörungen und zum Teil hervorquellende Augen. 4 aus 18 Tieren, bei statistisch zu erwartenden 4,5 bei einer Wahrscheinlichkeit von 25% nach den Vererbungsgesetzen, zeigten deutlich genug, dass auch bei den Dänischen Almonds der in der Literatur beschriebene Faktor St mit all seinen Konsequenzen am Werke ist. Und es zeigte sich auch deutlich, dass eine Vitalitätsminderung mit individuellen Abstufungen mit dem Faktor verbunden ist.

Ein im weiteren Verlauf der Erbanalyse gefallener späterer reinerbiger Braunstippertäuber hatte nicht diese Augendefekte, das Auge war dunkel (siehe Abbildung). Große Sehprobleme schienen nicht zu bestehen, wenn das auch nicht getestet wurde. Vorhanden waren aber die Bewegungsstörungen, die ihn nicht davon abhielten, mit Täubinnen, die nicht St besaßen, für reichlich Nachzucht zu sorgen und diese auch groß zu ziehen. In späteren Jahren färbten sich die Augen allmählich zu perlfarbig um, auch das weiße Gefieder wurde stärker mit gelbbraunen Federn durchsetzt. An den Bewegungsstörungen änderte sich nichts.  

Reinerbiger und zuchtfähiger Almond aus schottischer Zucht: Quelle: Auszug aus dem Buch  „Tauben. Züchten mit System“, Oertel + Spörer Reutlingen 1995.

 Bei einem befreundeten Züchter mit zahlreichen Vielfarbenen einer anderen Rasse fanden sich neben Kites auch einige Weiße, reinerbige Täuber der Vielfarbenen. Die älteren davon mit dunkleren Flecken durchsetzt, ähnlich wie mein alter reinerbiger Braunstipper. Auf den ersten Blick keine Probleme bei diesen Täubern, auf den zweiten dann doch. Im Käfig die eigentümlichen schaukelnden Halsbewegungen, die als Krankheitsbild bekannt sind, aber auch genau denen entsprachen, die ich von für St reinerbigen Almonds und Braunstippern bereits kannte. Aussagen von Züchtern, in ihren Rassen träfe alles das nicht zu, was über Almonds und Komplementärfarben der Short Faced gesagt wird, halten nach meinen Erfahrungen einer Überprüfung nicht stand. Bei einer reinen Volierenhaltung und ansonsten ausgezeichneten Haltungsbedingungen stören die genannten Defekte bei einigen der für St reinerbigen Täuber in der Zucht nicht, sie fallen vielen Züchtern schlicht und einfach nicht auf.

Die Erfahrungen zeigen generell, dass die Analyse von Christie und Wriedt mit dem Ergebnis eines geschlechtsgebundenen dominanten St-Gen, das bei den Täubern in Reinerbigkeit für Defekte sorgt, auch bei anderen St-Varianten als den Graustippern zutrifft, seien es nun nach der Bezeichnung in den Musterbeschreibungen Vielfarbene, Stipper, Almonds, DeRoys, Sprenkel oder Magnani. Die hemizygoten Weibchen, sie besitzen geschlechtsgebunden die Anlage nur einmal, sind nicht von Defekten betroffen.

Unter Tierschutzgesichtspunkten wurde bekanntlich vorgeschrieben, Merkmalsträger des Stipper-Gens nicht miteinander zu verpaaren, so dass reinerbige Täuber mit den genannten Defekten vermieden werden.

 

Kites und die Terminologie bei den Kites

 Für Kites gilt das gleiche, das für Almond ausgeführt wurde. Zum einen bezeichnet man damit einen Farbenschlag, der für manche Züchter den idealen Partner für einen Almond darstellt, da bei solchen Paarungen der Anfall reinerbiger Almonds vermieden wird. Zum anderen wird damit ein Bronzeton verbunden, Kite-Bronze, der den sonst einfachen dunklen Tieren den bronze Glanz und die insbesondere auf den Innenfahnen der Flügel sichtbaren Bronzetöne verleiht. Einige bezweifeln, dass es überhaupt so etwas wie Kite-Bronze gibt, jeder andere Bronzeton könne auch die Funktion zur Verbesserung der Färbung der Almonds übernehmen. Darauf, dass bei den Dänischen Braunstippern ein anderer Bronzefaktor am Werk ist, hat der Verfasser an verschiedenen Stellen in der Vergangenheit schon hingewiesen. Daraus nun zu folgern, dass man die dort und bei anderen Rassen als den Short Faced vorkommenden „Kites“ nicht Kites nennen dürfe, ist aber wohl doch ein wenig übertrieben. Man kann diesen in fast allen Rassen sehr ähnlich aussehenden Nebenfarbenschlag der Vielfarbenenzucht  nicht überall anders benennen, zumal es schwer sein dürfte, objektiv festzustellen, welche Kites-Variante denn für die Färbung der Vielfarbenen die Beste ist und wo denn genetisch betrachtet der Unterschied zwischen den Bronzevarianten besteht. Bei den Englischen Short Faced hängt es auch vom Partner ab, ob z.B. ein Kite mit äußerlich viel Bronzeton tatsächlich das bessere Zuchttier ist. Aus meiner Sicht sollte man nicht zu spitzfindig bei den Kites werden und diese weniger nach der Färbung, sondern nach den anderen Rassemerkmalen beurteilen. Bei den Rassen, bei denen die Kites erst seit kurzer Zeit auftauchen, sollen wir froh sein, dass sie überhaupt vorhanden sind und in der Zucht eingesetzt werden. Hier sind wie die Almonds bei den Vielfarbenen die Kites der Englischen Short-Faced ein Anhaltspunkt, aber nicht der definitive Maßstab. 

 

 0,1 Jungtier Kite bei Deutschen Modenesern (links) und 1,1 Almond X Kite bei Englischen Short Faced Tümmlern

 Almonds and Gen-Symbols: St

The first scientific analysis of Almond was published by Christie and Wriedt in German language in 1925. They analysed the trait at Danish Tumblers. The trait causes a feather break and black flecks throughout the plumage on a white, grey, brown or yellow ground. In Denmark these tumblers are named Staenkede Gra (Graustipper in German, Grey-Stipper), Staenkede Gul (Gelbstipper, Yellow-Stipper) and Staenkede Brun (Braunstipper in German, Brown-Stipper). They still were concerned about the missing logic in the terminology in the fancy and proposed white black-sprenkle, brown black-sprenkle and lightbrown grey-sprenkle instead. By the way, “Sprenkel” in German has a similar meaning like “Stipp”, also in German a rare word and you might have problems to find it in the dictionary. However, the fancy wants and perhaps needs simple terms and thus the old terminology still today is valid in the fancy, even if scientifically not proper. Christie and Wriedt concluded from their investigation of Danish Grey-Stipper a dominant sex-linked trait that causes severe defects at homozygous cocks. Those are white, often bladder-eyed and have problems in the movement, trembling heads, etc. As symbol St was chosen. Since the English Short Faced Almond was the most common breed carrying this trait the factor in the American literature was called Almond and since then we usually speak about the Almond-Gen. From time to time this terminology is criticized and probably with the spread of Almonds in many breeds today it would be more explicit to use the word stipple-gene since this was the origin and indicates better the effect of the gene.

 Kites and Kites-Terminology

 For Kites from time to time a similar discussion arises. Firstly, Kites are an Almond-related colouration of the English Short Faced and from several fanciers are considered the best mate to an Almond. By this we avoid homozygous cocks in the progeny and may raise beautiful Almonds. Secondly, Kite often is used for a bronze trait that causes the bronze of the Kites and the brown reddish colour especially in the inner vane of the flights. Some analysts doubt the existence of a Kite bronze gene at all and are of the opinion that any bronze can play the role to improve the colour of an Almond. And the author at several papers gave his opinion that e.g. at the Danish Brown- and Yellow-Stipper another bronze-trait is at work than in the English Short Faced. However, now to rename the “Kites” in other breeds would be exaggerated and overstress the exhibition system and our knowledge about the best Kite-like types in a breed to get beautiful Almonds and “Vielfarbige”, like Almonds in several breeds are called in Germany. For Kites in other breeds and also for Kites in the English Short Faced Tumblers the requirements should not be extreme. Whether the tail is more or less blue in most breeds makes no great difference, we should be happy that the fancier use these Kites in the breeding pen and judge them according to type and other properties. Even for Kites of English Short Faced Tumblers it depends on the partner of the couple whether a more bronze Kite or a less bronze Kite is the best choice. It should be remembered that in Germany it is not allowed to mate two Almonds together, since the occurrence of the non-vital homozygous cocks is considered a cruelty to animals.