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Farbe, Zeichnungen, Scheckungen: Sprenkelung bei Tauben

 Mit eindeutigen Begriffen tut man sich schwer in der Taubenzucht. In der Züchtersprache, in den Musterbeschreibungen und in der genetischen Diskussion werden die Begriffe zum Teil sehr unterschiedlich gebraucht. Das ist einer der Gründe, warum das einleitende  Kapitel im Buch „Taubenfärbungen“ mit „Farbe, Zeichnungen, andere Faktoren und Scheckungen“ überschrieben worden ist.

 Wenn von Farbe oder Grundfarbe gesprochen wird, dann bedeutet das aus genetischer Sicht die Farbe des Pigments bei den genetisch unterschiedenen Grundfarben Schwarz, Brieftauben- oder Dominant Rot und Braun. Wenn von Zeichnungen gesprochen wird, dann sind die Muster Binden, ohne Binden und Hämmerungen in den verschiedenen Varianten gemeint. Scheckungen sind durch den Kontrast von Weiß und farbigen Flächen gekennzeichnet, der schon im Nestgefieder vorhanden ist. Typische Beispiele sind die Strasserscheckung, die Elsterscheckung, die Weißschlagscheckung und die Fleckenscheckung. Bei den anderen Faktoren handelt es sich um Modifizierungen, die im unterschiedlichen Ausmaß die Färbung beeinflussen, zum Teil aber auch um Faktoren, die vom Sprachgebrauch her mehr als nur „Modifizierungen“ sind. Dazu zählt zum Beispiel das rezessive Rot, das unabhängig von der Grundfarbe, der Zeichnung und auch anderer Faktoren ein einheitlich braun-rotes Gefieder hervorbringt. Die bei gescheckten Farbenschlägen weißen Farbflächen werden davon nicht berührt und bleiben weiß. Rezessiv Rote besitzen genetisch betrachtet meist die schwarze Grundfarbe, was sich bei Kreuzungen mit braunen Farbenschlägen anhand der Nachzucht ganz schnell nachweisen lässt.

 In den Musterbeschreibungen wird der Begriff der Farbe im Sinne von Färbung, aber auch im Sinn von Farbenschlägen gebraucht. Der einleitende Text in der Musterbeschreibung über die Fachausdrücke ist mit „Haupt- und Nebenfarben“ überschrieben, ohne dass diese getrennt aufgeführt werden. Unter Zeichnung werden sowohl die genannten Muster wie Binden, Hämmerung usw. verstanden als auch die Scheckungen. Auch die Sprenkelung bei einigen Rassen, wie den Orientalischen Rollern, wird als Zeichnung bezeichnet. In der Musterbeschreibung heißt es: Die Zeichnung besteht aus möglichst gleichmäßig verteilten Farbflecken, die mehr oder weniger zerrissen sind und deren Ausmaße der Federgröße entsprechen.

Allgemein spricht man bei der Beschreibung von Farbenschlägen auch von der Grundfarbe, Grundfärbungen, Körperfarbe und Körpergrundfarbe. Meist ist aus dem Zusammenhang zu erkennen, was jeweils gemeint ist, die Begriffsvielfalt kann und führt aber auch zu Missverständnissen.

    

                                        Orientalischer Roller Schwarzsprenkel               Orientalischer Roller Rotsprenkel

 In dem Schaubericht über die Nationale Rassegeflügelschau im Dezember 2005 in Dortmund wurde auf dieser Homepage bei den Orientalische Rollern von Rot- und Gelbsprenkeln mit „rot- und gelbfahlem Grund“ geschrieben, was zu mehreren Nachfragen führte. Gemeint war mit dieser Kurzformulierung, dass es sich genetisch um Brieftaubenrote (oder gleichbedeutend Dominant-Rote) handelte, also um rotfahle bzw. gelbfahle Farbenschläge, wozu auch die Rotfahlgehämmerten, Dominant Roten sowie die Gelbfahlgehämmerten und Dominant Gelben gezählt werden. Optisch handelte es sich von der Grundfärbung her (in der Musterbeschreibung als Grundfarbe bezeichnet) um weiße Täuber, und auf dieser weißen Grundfärbung zeichneten sich die aschfahlen bzw. aschgelben und dazu die roten und gel­ben Sprenkel im Schild und vor allem im Halsbereich ab. Dort, wo Schwarzsprenkel die schwarze Sprenkelung zeigen, haben die Rotsprenkel aschfahle bzw. –rote Sprenkel. Es sind keine einfarbig aschfahlen Tiere mit einigen roten Flecken, wie von einigen vermutet wurde.

Andere wiederum vermissten die brieftaubenrote Grundfärbung im Schild der Rotsprenkel. Wenn dort die Grundfärbung aber nicht mehr weiß ist, dann sind es keine Sprenkel im Sinn der Musterbeschreibung, sondern brieftaubenrote Almonds. Positiv herausgehoben wurden die Täuber im Bericht über die Schau in Dortmund deshalb, weil sie durchgehend gesprenkelt waren und nicht – was bei vielen der auf den Schauen gezeigten Gelb- und Rotsprenkel der Fall ist – in Schwingen und Schwanz weiß ausmauserten bzw. ausgemausert hatten. Wenn man in der Musterbeschreibung der Orientalen nachliest, dann wird man feststellen, dass wenig über die Sprenkelung gesagt wird. So wird nicht gesagt, wie viele Sprenkel bei den Sprenkeln vorhanden sein sollen und wo die Sprenkel sitzen. Genügt schon etwas Rieselung im Hals wie bei den Danziger Hochfliegern im Farbenschlag „Schimmel“? Bei den Schwarzsprenkeln würde das vermutlich kein Preisrichter akzeptieren, er würde sich eher an dem Aquarell in der Musterbeschreibung orientieren, das ein bis in die Schwingenspitzen gesprenkeltes Tier zeigt. Das Ausmausern der teilfarbigen Schwingen von Rot bzw. Gelb zu vollständig Weiß steht auf jeden Fall im Gegensatz zur Formulierung in der jetzigen Musterbeschreibung, in der gesagt wird, dass Sprenkel mit dem Alter dunkler werden. Die angesprochenen Tiere wer­den erkennbar heller und erscheinen optisch nach der Mauser als Weißschläge, eine Erscheinung, die man auch bei Tigerschecken (in den Musterbeschreibungen Schecken genannt), aber auch z.B. bei rotbrüstigen und rothalsigen Usbekischen Tümmlern sowie rotweißschildigen Rassen  kennt. Das Foto zeigt einen in Dormund ausgestellten „Gelbsprenkel“, bei dem die letzten noch zu werfenden Federn in den Schwingen gelbe Farbe zeigen, die anderen Schwingen sind bereits weiß ausgemausert.

 

                                  Orientalischer Roller "Gelbsprenkel" mit weiß                      Orientalischer Roller Silbersprenkel

                                     ausmausernden Schwingen (siehe Text)

Die Bezeichnungen in den Musterbeschreibungen haben zum Teil eine lange Tradition. Es ist daher auch schwer, daran etwas zu ändern. Das gilt für viele Rassen und Farbenschläge, die auch heute noch ihre historisch gebildeten Benennungen wie z.B. isabell, perlfarbig, eulig und lichtblau beibehalten haben. Und nicht immer sind die Benennungen konsistent aufgebaut, so dass immer wieder ein Klärungsbedarf besteht. Bei den gesprenkelten Farbenschlägen unterscheidet man in den Musterbeschreibungen

- Schwarzsprenkel

- Blausprenkel

- Silbersprenkel

- Rotsprenkel und

- Gelbsprenkel.

Ordnungsliebende Menschen werden auch daran etwas auszusetzen finden: Vier der fünf aufgeführten Farbenschläge haben eine weiße Grundfärbung, auf der sich die schwarzen, blauen, roten bzw. gelben Spritzer abzeichnen sollen. Silbersprenkel haben dagegen keine silbernen Sprenkel auf weißer Grundfärbung, wie man vermuten könnte, sondern auch schwarze Sprenkel, aber auf silbergrauer Grundfärbung.