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Gehämmerte Zeichnungen bei Tauben

(Pattern in the domestic pigeon)

 

Die gehämmerten Zeichnungen gehören sicherlich zu den ersten Mutationen, die bei den Haustauben aufgetreten und gepflegt wurden. In der Praxis kommen sie in sehr unterschiedlicher Intensität vor, und zwar mit Übergängen von einer ganz leichten Hämmerung, die man mitunter auch nur als Ansatz zur dritten Binde bezeichnen könnte, bis hin zu einer Hämmerung, die im Schild aufgrund der ausgedehnten Hämmerungflecken, die das ganze Schild ausfärben, als solche nicht mehr als Hämmerung zu erkennen ist. Bei einer schwarzen Grundfarbe ist das der Farbenschlag, der bei den Deutschen Schautauben als Dunkel bezeichnet wird.

 

In der Genetik hat man es sich relativ einfach gemacht und konnte es sich auch einfach machen. Die Frage der Vererbung der sich nur leicht voneinander unterschiedlichen Varianten ist nicht so besonders interessant, wenn man keine Klasseneinteilung für Ausstellungen vornehmen muß. Die Engländer Bonhote und Smalley hatten schon 1911 erkannt, dass die Hämmerung über die Binden dominiert, man hatte auch früh erkannt, dass reinerbige Gehämmerte dunkler als mischerbige sind. Als Erbsymbol wurde von Sarah van Hoosen Jones 1922 für die am häufigsten auftretenden Hämmerung C (für den Anfangsbuchstaben des englischen Wortes „Checker“) gewählt. Dann wurde erkannt, dass es darüber hinaus zumindest eine weitere Erbanlage gab, die systematisch dunkler gehämmert ist und sowohl über die Binden als auch über die einfache Hämmerung C dominiert. Als Symbol für dieses Gen wurde CT gewählt, englisch „T-pattern Checker“. Damit wurden die Zeichnungen in vier Gruppen eingeteilt: Neben dem Wild-Typ Binden mit dem Symbol + gab es die rezessive Anlage hohlig („ohne Binden“ mit dem Symbol c) und zusätzlich die beiden gehämmerten Varianten. Da sich diese Zeichnungen bei allen drei Grundfarben Schwarz (die Blaureihe), Braun und Dominant Rot zeigen können, waren es kombinatorisch bereits 4 X 3 = 12 Farbenschläge, die es zu unterscheiden galt. Da alle diese Kombinationen auch noch als Verdünntfarbenschläge existieren und es auch davon zwei Faktoren, nämlich Dilution (Symbol d) und Pale (Symbol dp) gibt, sind es dann schon 4 X 3 X 3 = 36 Farbenschläge.

 

W.F. Hollander hat auch schon 1938 darüber geschrieben, dass es neben den betrachteten Hämmerungen weitere Allele gibt. Da die Praxis aber gezeigt hat, dass die dunkleren Varianten systematisch über die helleren dominieren, war das kein Anlass, sein didaktisches Konzept mit der Konzentration auf vier Allele der Zeichnung zu ändern. Benannt und mit Symbolen versehen hat er allerdings eine ganz leichte Hämmerung (CL) und eine Zwischenstufe zwischen C und CT, die er Dark Checker CD nannte. Das hat aber seine späteren Darstellungen nicht wesentlich beeinflusst. Es ging ihm darum, seine Botschaft möglichst eingängig und nicht unnötig kompliziert zu überbringen. Wenn CL, CD und zusätzlich die ganz dunkle Hämmerung noch zu berücksichtigen gewesen wären, dann hätte er schon 7 X 3 X 3 = 63 Farbenschläge unterscheiden und durch seine Ausführungen „schleppen“ müssen.

 

Im Ausstellungswesen ist die Lage etwas komplizierter als bei allgemeinen genetischen Erörterungen, zumal bei den einzelnen Rassen den unterschiedlichen Wünschen der Züchter Rechnung getragen werden muß. Die Klassifizierung wird bei den Rassen daher nicht überraschend unterschiedlich gehandhabt. Das liegt zum Teil auch daran, dass der Stellenwert der Zeichnungen bei den Rassen unterschiedlich hoch im Vergleich mit anderen Rassemerkmalen ist. Schließlich hängt es auch ganz individuell von Meinungsführern in den Sondervereinen ab, wie weit die Toleranz im Hinblick auf Abweichungen in der Zeichnung geht. Bei den Strassertauben wird eine aufgelockerte Hämmerung erwartet, die man wohl nur durch mischerbige Gehämmerte (C//+ oder C//c) erreichen kann. Alle anderen Hämmerungen werden gestraft oder nicht akzeptiert. Bei den brieftaubenartigen Rassen wird inzwischen fast überall die besonders dunkle Färbung als „Dunkel“ eigenständig herausgestellt. Zu vermuten ist, dass es sich auch genetisch um eine mit CT nicht identische Mutation der Zeichnung handelt, die hier zur Vereinfachung mit CDu benannt wird. Auszuschließen ist aber auch nicht, dass einige reinerbige CT (CT//CT) so dunkel wie dieser Farbenschlag werden. Es ist dann auch kein Widerspruch zur allgemeinen Regel, dass aus zwei Tieren mit einer niederen Ordnung der Zeichnung keine Jungtiere mit einer höheren Ordnung fallen können, sondern ein Ausdruck dafür, dass reinerbige Tiere dunkler als mischerbige sind. Das erlebt man bei der gehämmerten Zeichnung C permanent

.

Wie man die Unterscheidung des Spektrums der gehämmerten Zeichnung auch gestaltet, man wird immer Grenzfälle haben und der Kritik ausgesetzt sein. In der Praxis findet man überwiegend die folgenden Möglichkeiten, die durch eine Collage von Fotos Deutscher Schautauben nachgestellt ist. Die ganz leichte Hämmerung ist ausgespart. Wenn sie gezeigt wird, dann in der Klasse der Gehämmerten, und dort wird sie meist als zu hell gestraft.

 

Bei der ersten Lösung werden die Gehämmerten in der mischerbigen Form (C//+) von der Klasse der Dunkelgehämmerten unterschieden, die aus reinerbigen Gehämmerten (C//C) und Gehämmerten mit dem Faktor CT bestehen, wobei diese sowohl rein- als auch mischerbig sein können. Davon abgesetzt gibt es die dritte Gruppe der Dunklen.

 

               

        Gehämmert (C//+)           ―             Dunkelgehämmert (C//C und CT)             ―          Dunkel (CDu)

Bei der zweiten Lösung werden die Gehämmerten in mischerbiger Form (C//+) und in reinerbiger Form (C//C) zusammengetan. Davon abgegrenzt gibt es die Gruppe der Dunkelgehämmerten mit dem Faktor CT. Davon wiederum unterschieden folgt als dritte Gruppe die der Dunklen.

                               

               Gehämmert (C//+ und C//C)                   —   Dunkelgehämmert/-gesäumt (CT) —        Dunkel (CDu)

Bei der dritten Lösung unterscheidet man vier Gruppen. Zunächst die mischerbigen Gehämmerten (C//+), dann die reinerbig Gehämmerten (C//C), dann die Gehämmerten mit dem Faktor CT, die bei den Deutschen Schautauben in der Blaureihe zum Teil unter der Bezeichnung „Dunkelgesäumt“ liefen, und schließlich die Dunklen. 

                                       

      Gehämmert (C//+) —     Dunkelgehämmert (C//C)   —   Dunkelgehämmert/-gesäumt (CT)     —     Dunkel (CDu)

Wie bereits angedeutet, gibt es in allen Fällen an den Rändern der Klassen Zuordnungsprobleme. Bei der dritten Lösung ist die Trennung von Dunkelgesäumten und Dunkelgehämmerten oft strittig.  Der Begriff „Gesäumt“ taucht sonst bei den Zeichnungen auch nicht auf, er wird z.B. bei Bronzefarbenschlägen verwendet.

 

Diese Zeichnungspalette und diese Zuordnungsmöglichkeiten und –probleme gibt es bei allen Grundfarben, also auch bei Braun und Dominant Rot. Es gibt sie auch im Zusammenwirken mit zusätzlichen Erbfaktoren wie Indigo (In). Auch dort gibt es Gehämmerte, Dunkelgehämmerte und Dunkle, wie den abgebildeten wahlweise als gehämmert (Variante 2) oder dunkelgehämmert (Variante 1 und 2) bezeichneten Brieftäuber und den dunklen Show Racer Täuber, die beide mischerbig für den Indigofaktor sind (In//+).

 

    

Brieftaube Indigo-Gehämmert (C//C) und Show Racer Indigo Dunkel

 

 Einige zusätzliche einschränkende Anmerkungen sind dennoch angebracht, um eine mögliche Kritik gleich vorweg zu nehmen. Weitere beim Wild-Typ nicht vorhandene Erbfaktoren können das einfache Bild im wahrsten Sinne des Wortes gelegentlich trüben. So kann der Faktor Sooty, meist als Strichelung an der Federfahne auftretend, gelegentlich aber auch wolkiger, eine Hämmerung vortäuschen oder vorhandene Hämmerungen verdunkeln. Auch der Faktor Smoky (sy) bewirkt in der Regel eine Verstärkung der Zeichnungen, so dass manch mischerbiger Gehämmerter eher wie ein reinerbig Gehämmerter bei Rassen ohne den Smoky-Faktor erscheint und manch reinerbig Gehämmerter C//C wie ein Gehämmerter mit dem Faktor CT aussieht. Besonders eindrucksvoll für die Wirkung modifizierender Faktoren sind die Gimpeltauben. Bei den Kupfer- und Goldschwarzflügeln handelt es sich meist um einfache Gehämmerte, bei denen zusätzliche Dunkelfaktoren für das schwarze Flügelschild und die von außen schwarzen Schwingen und Schwänze sorgen. Gelegentlich macht eine sich noch schwach vom etwas helleren Grund abzeichnende schwarze Binde auf dem Schwanz deutlich, dass es sich um Gehämmerte und nicht um Schwarze handelt. Das ist dann aber schon für einen Gimpeltaubenzüchter ein Alarmzeichen.

Mit diesem Beitrag sollte nicht unbedingt eine bestimmte Klassifizierung propagiert werden, es sollten aber die Probleme jeder Klassifizierung deutlich gemacht werden und auch gezeigt werden, dass wohl bei jeder Lösung auf Toleranz und auf Fingerspitzengefühl nicht verzichtet werden kann.

Pattern in the domestic pigeon

 In the genetic literature following W.F. Hollander in general 4 types of pattern are discussed. Besides the Wild-Typ bars with the symbol + the allel barless (c), Checker (C) and T-pattern Checker (CT) are separated. Hollander in addition mentioned a light version of checker (CL) and dark checker CD. CL is the lightest type, C the typical light checks shown in the Strasser breed and others, homozygous C-checks (C//C) are darker compared to heterozygous (C//+), dark checks are somewhat between C-checks and T-pattern checks. Genetically the darker pattern versions dominate the lighter ones. In the show pen today in addition a very dark check is separated and one of the prominent colourations e.g. of the German Beauty Homers and Show Racers, called “Dunkel” (dark). Such birds appear near to black in some cases with some blue still in the tail feathers.

Since there is a smooth transition of the different types of checker it becomes a problem to build classes for the show room. In practice the solution differs in the various breeds. This contribution offers three different ways of class-building and it is stressed that these kinds of pattern occur in the brown and dominant red colour rows as well as in combination with other traits like Indigo.