Home

Buch-Shop  

Ausstellungen

Genetik

Archiv

Literatur

   Links

Impressum

Facebook

 

 

Book-Shop

Shows

Genetics

Archive

Literature

 

 

 

 

 

Libanontauben und Libanonbronze

Rote und gelbe Libanontauben mit Spiegelschwingen und weißer Schwanzbinde erregen durch die intensive Färbung und den Farbkontrast immer wieder das Interesse von Züchtern. Die Färbung findet sich auch bei Rschewer Sternschwanztümmlern, Tulaern und Wolgatümmlern sowie einigen weiteren Rassen.

 

Abb. 1: Libanontauben rot und gelb

 

Abb. 2: Rschewer Sternschwanztümmler rot und Tulaer Sternschwanztümmler

Auch genetisch sind sie interessant. W.F. Hollander hat gezeigt, dass es sich bei den Libanontauben nicht um rezessive rote Tiere, sondern genetisch um Dominant Rote mit einer dunklen Hämmerung handelt. Das rezessive Rot würde der Färbung nur schaden. Zusätzlich sind aber weitere farbintensivierende Faktoren wie Kite-Bronze notwendig, um die intensive Färbung zu erreichen. Er vermutete, dass es in unterschiedlichen Rassen auch unterschiedliche Modifikatoren geben könnte.

Die Übertragung der weißen Schwanzbinde auf schwarze Tauben ist nicht möglich. Das haben mehrere Versuche gezeigt. Der Verfasser hat es in seiner Jugend selbst bei Rschewer Sternschwänzen probiert. Nach Kreuzungen zeigten einige der Roten in den Nachfolgegenerationen die weiße Schwanzbinde, bei schwarzer Grundfarbe fehlt sie. Bei anderslautenden Berichten wurden Kreuzungen mit Satinetten und Blondinetten mit dem Faktor ‚Frill Stencil‘ vorgenommen. so waren bei Rolf Pikhart=Halle Blaue mit der Färbung der Bluetten entstanden (Karsten 1967).

Abb. 3: Rschewer Sternschwanztümmler in einem Artikel von Hans Joachim Karsten: Gibt es schwarze Rshewer Sternschwanztümmler? Geflügel-Börse 14/1967

Viele bei Pfautauben auch auf den Großschauen gezeigte Spiegelschwänze sind von der Farbintensität weit von der Färbung der Libanontauben und den Sternschwänzen entfernt. Der Modifikator zur Aufhellung der Schwanzbinde ist vorhanden. Diese ist damit aber nicht weiß. Bei hellen fahlen Schwanzfedern kann sich eine weiße Binde ohnehin nur schwer ausbilden.

 

Abb. 4: Pfautauben von der VDT-Schau Leipzig als Spiegelschwänze gemeldet und bewertet (Quelle: Genetik der Taubenfärbungen 2015)

Solche ‚Spiegelschwänze‘ kann man auch ohne Kreuzungen mit Libanontauben durch Auslese aus Dominant Roten erhalten. Man findet sie gelegentlich unter roten Schautauben. So die ebenfalls in den Schwingen mit Ausnahme der hellen Spitzen durchgefärbte Taube in der Sicht von oben und von unten betrachtet in Abb. 5 links und Mitte. Daneben rechts ein intensiver rot gefärbter Rschewer Sternschwanztümmler.

Abb. 5: Links und Mitte rot Deutsche Schautaube, rechts Rschewer Sternschwanztümmler (Quelle: Pigeon Genetics 2012)

Joe Quinn (1971, S. 79) hat bei der Behandlung der Bronzefaktoren auch Libanonbronze aufgeführt, der bei Kreuzungen mit dem Wild-Typ verdunkelnd wirke und einen Stich ins Bronze auslöse (a tinge of bronze). Bei Dominant Roten (velvets) komme es zu Aufhellungen der Spiegel in Schwingen und Schwanz. Paul Gibson war allerdings der Meinung, dass es einen Faktor Libanonbronze nicht gäbe und andere Bronzefaktoren den Part übernehmen könnten. Zunächst eine Behauptung. Dass andere Faktoren den Part übernehmen könnten, bedeutet noch nicht, dass es den Faktor nicht gibt. Ob identische oder ähnliche Effekte erzeugt werden, ist auch noch eine offene Frage.

Kreuzungen eines Wolgatümmlers mit einer blaugehämmerten Täubin bestätigten, dass es sich wie bei Libanontauben und Rschewer Sternschwänzen um dunkelgehämmerte dominant rote Tauben ohne Farbausbreitungsfaktor handelt. Die Farbintensität der F1 hat im Vergleich zu Wolgatümmlern drastisch abgenommen, die Schwanzfarbe ist aschfahl und nicht rot (Abb. 6 links unten).

Abb. 6: Testpaarungen mit Wolga-Sternschwanztümmlern. Links oben Ausgangspaarung 1,0 Wolgatümmler x Blaugehämmert; links unten F1 mit zwei Jungtieren der F2 ; rechts oben ausgewählte Jungtiere der F2, rechts unten Feder eines kite-artigen Jungtieres der F2 mit tief reichendem Kupferglanz und daneben eine vergleichbare Halsfeder eines roten Wolgatümmler mit Rotglanz.

In der F2 gab es bei den Jungweibchen mit schwarzer Grundfarbe einige Dunkle, ähnlich den Kites der Englischen Short Faced (Abb. 6 rechts oben). Erwähnenswert, wie tief bei einigen der Kupferglanz in die Federn im Halsbereich eingedrungen ist (Abb. 6 rechts unten). Von der blaugehämmerten Mutter kann das nicht stammen, es muss vom Wolgatümmler gekommen sein, bei dem sich der Rotglanz auch zeigte (Abb. 6 ganz rechts). Bei den Roten dieser Paarung keines mit annehmbarem Spiegelschwanz, was bei den meisten schon an der aschfahlen Schwanzfarbe scheiterte.

Bei einer weiteren Paarung mit einer Täubin (mit Gimpelhintergrund einige Generationen zurück) in der F1 einige Rote mit bläulich aufgehellter Schwanzbinde (Abb. 7 rechts oben) und in der F2 auch einige intensive Rot mit annähernder weißer Schwanzbinde (Abb. 7 rechts unten). Hier kommen die dem Libanonbronze von Quinn zugeschriebenen Verdunkelungseffekte und der Aufhellungseffekt in der Schwanzbinde zusammen. Ob es sich um einen Faktor handelt, oder um mehrere, das ist offen.

 

Abb. 7: Feder aus dem Brustbereich eines roten Wolgatümmlers (link), daneben Federn einer F1 und ganz rechts Feder einer roten Blassentäubin; oben rechts Jungtiere der F1 aus der zweiten Paarung und darunter Jungtier der F2 mit durchgefärbtem Schwanz und weißer Schwanzbinde (Quelle: Genetik der Taubenfärbungen).

Für praktische Zwecke zeigen die Berichte aus den Zuchten und eigene Versuche, dass sich das Farbbild bei Rückpaarungen an Libanontauben oder Sternschwanztümmler bei einigen der Jungtiere wieder einstellt. Bei einer Aufspaltung in der F2 wird man weniger Erfolg haben, was aber ganz typisch für Erscheinungen ist, bei denen mehrere rezessive Erbfaktoren zusammenwirken müssen. Gibson ist durch das Zusammenfügen der aus den genetischen Tests bekannten wesentlichen Bestandteile der Färbung zu ähnlichen Erscheinungen gelangt. Konkret übertrug er die dominant rote Farbe auf dunkle Kites der Branderzucht und verband damit Dominant Rot mit der dunklen Hämmerung, einem Bronzefaktor und dem Fehlen des Farbausbreitungsfaktors.

Literatur:

Gibson, Paul (Hrsg.), Pigeon Genetics Newsletter August 2004, 2007

Hollander, W.F., Origins and Excursions in Pigeon Genetics, Burrton, Kansas 1983

Karsten, Hans-Joachim, Gibt es schwarze Sternschwanztümmler? Geflügel-Börse 14/1967

Quinn, Joe, The Pigeon Breeders Notebook 1971

Sell, Axel, Genetik der Taubenfärbungen, Achim 2015

Sell, Axel, Pigeon Genetics. Applied Genetics in the Domestic Pigeon, Achim 2012