Home

Buch-Shop  

Ausstellungen

Genetik

Archiv

Literatur

   Links

Impressum

Facebook

 

 

Book-Shop

Shows

Genetics

Archive

Literature

 

 

 

 

 

 

Turbitology von D. L. White       -       Turbitology by D. L. White   (engl.)   

Turbitology ist eine anspruchsvoll gestaltete Schrift im Umfang von 128 Seiten von Donovon L. White über das Turbitmövchen. Es ist mehr, als der Untertitel, A Study of the Modern-Type Turbit Pigeon, verrät. Der Verfasser geht kenntnisreich unter Nutzung der historischen Literatur und des vorhandenen Bildmaterials auf die Entstehungsgeschichte der heutigen Turbits ein. Haltungsbedingungen, Schauvorbereitungen, eine detaillierte Diskussion des Standards und eine Einführung in für die Färbungen relevante Erbgänge schließen sich an.

 Turbit-White-IMG_9934.jpg

Die Schrift hat über das Interesse, das sie bei Züchtern von Turbits international finden wird, eine generelle Bedeutung für das Verständnis von Entwicklungsprozessen bei Rassen. Einzelne Züchter entwickeln Visionen und vermitteln sie durch markante Zeichnungen, in denen die wesentlichen Rassemerkmale z.T. übertrieben dargestellt werden. Was bei den  Englischen Langschnäbligen Elstern die 'Simpson Elster' 1909 war, das war bei den Turbits die 'Ideal Turbit' von E. B. Ulrich 1916. In Abweichung vom offiziellen Standard 'with much more frontal reach' als zuvor, wobei der verlängerte Vorkopf einen ungewohnten Eindruck hinterließ und Aufmerksamkeit garantierte. Wenn andere Züchter und Preisrichter auch ohne Rücksicht auf den offiziellen Standards auf solche Visionen anspringen wie in diesem Fall, dann kann mit Mut zu Experimenten und zu Einkreuzungen schnell eine ganze Rasse umgewandelt werden. Turbits sind neben den Langschnäbligen Tümmlern ein Beispiel dafür.

Turbits wurden schon von Willughby 1679 und Moore 1735 neben den Mövchen (Owls) als unterschiedliche Rasse gesehen. Bei Tegetmeier 1868 erscheinen sie mit einem etwas eckigen Kopf deutlich anders als Owls mit runden Köpfen. Bei Lyell 1887 kann man noch nachlesen, dass die Frage des idealen Turbit-Kopfes umstritten war.

Tegetmeier Turbits.JPGLyell Turbit.JPG

Turbits bei Tegetmeier 1868 und Lyell 1887 aus dem Buch "Taubenrassen. Entstehung, Herkunft, Verwandtschaften", Achim 2009.

Lyell selber gehörte zur Sektion derer, die im Kopf der Englischen Mövchen bzw. des 'African Owl' auch den idealen Turbitkopf sahen. Das zeigt sich auch in seiner Zeichnung, hat die Entwicklung  zum längeren Gesicht bei den Turbits aber nicht aufhalten können.

Besonders beeindruckend in der Schrift von White sind die Darstellungen unterschiedlicher Kopfformen, unterschiedlicher Ansätzen des Schnabels und das Aufzeigen die Bedeutung des Sitzes des Auges bzw. der Länge des Vorkopfes, wie man bei den Mövchen sagt. Bei anderen Rassen ist es das Gesicht. Auch Züchter dieser Rassen könnten daraus lernen, wie bedeutsam Schnabeleinbau und Gesichtslänge für den Ausdruck von Rassen sind. Er stellt mit Bezug auf seinen Mentor J. G. Muir die Unterschiede des Turbitkopfes zu African Owls und Orientalen dar. Er knüpft dabei an dessen zeichnerische Darstellungen aus dem Jahr 1949 an. Diese wurden auch bei Kleinpell 1968 und in einem 'Special' des American Pigeon Journals über die Turbits im Juli 1976 wiedergegeben. Auf den S. 60 ff. werden mit Zeichnungen und z.T. mit Größenangaben die Details des Standards veranschaulicht. Größenverhältnisse und die relative Positionierung von Schnabel, Auge, Kappe und Hinterkopf zueinander werden aufgezeigt und ermöglichen auch Neulingen eine schnelle Orientierung.

In einer Zeit, in der bei anderen Rassen kaum ein Züchter den Unterschied zwischen Gesicht und Schnabellänge kennt, könnte das sogar zu tieferreichenden Überlegungen auch bei anderen Rassen führen.

Für das Verständnis einer Rasse sind nicht nur Monographien über eine Rasse von Bedeutung. Wichtig ist es auch, ihre Stellung im Gefüge der verwandten Rassen zu kennen. Das gilt insbesondere dann, wenn man sich Gedanken über die Weiterentwicklung macht. So wird das Besondere der Turbitköpfe durch Donovon White im Vergleich zu anderen Mövchen herausgearbeitet. Für diejenigen, die noch weiter über den Tellerrand hinausblicken möchten, ist der von Assmuss/Hegemann herausgegebene Sammelband über Mövchenrassen eine Fundgrube, deutschsprachig, aber mit englischen Zusammenfassungen.

Moevchen-Assmuss-Hegemann-I.jpg 

Werner Assmuss und Werner Hegemann (Hrsg.), Mövchentauben international, Reutlingen 1979

Auch erfahrene Züchter von Mövchen werden dem Buch von White viele praktischen Tips für die Zucht, Haltung und Ausstellungsvorbereitung entnehmen können. Die Darstellung der Entstehung des modernen Typs der Turbitmövchen lassen ein Gefühl für das Besondere der Rasse entstehen. Die Ausführungen zu den Details der Standardbestimmungen und den Unterschieden zu den verwandten Rassen sind gleichermaßen für Aussteller, Preisrichter und die weitere Zuchtausrichtung von größter Bedeutung, so dass man der Schrift eine gute Verbreitung wünscht.

Literatur:

American Pigeon Journal, July 1976, Issue Devoted Especially to Turbits.

Assmus, Werner, und Werner Hegemann (eds.), Mövchentauben international, Owls, Frills, Turbits, Reutlingen 1979, German with English summaries.

Kleinpell, George J., The Turbit Handbook, Cleveland, Ohio 1968

Sell, Axel, Taubenrassen. Entstehung, Herkunft, Verwandtschaften. Faszination Tauben über die Jahrhundert, Achim 2009.

White, Donovon L., Turbitology. A Study of the Modern-Type Turbit Pigeon, Published October 2017 by Classic Pigeon Books - Hemet, California, USA.