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Genetik der Haustaube 2025

Im Buch ‚Genetik der Haustaube‘ und der englischen Ausgabe ‚Genetics
of the Domestic Pigeon‘ werden die für Züchter wichtigen
Erbmechanismen an den bekannten Grundfarbenschlägen der Haustaube
aufgezeigt. Wer das kombinatorische Zusammenspiel von Erbfaktoren
verstanden hat, kann leicht voraussagen, was bei der Verpaarung
unterschiedlicher Farbenschläge zu erwarten ist. Und auch, was auf
keinen Fall zu erwarten ist. Dann sind Kreuzungen von Farbenschlägen
untereinander kein Lotteriespiel mehr. Solche Kreuzungen sind beim
allgemeinen Rückgang von Zuchten in der Rassetaubenzucht nicht nur
zur Verbesserung einzelner Farbenschläge nötig, sondern auch zur
Vermeidung einer zu engen Verwandtschaftszucht. Die exemplarisch für
die Grundfarbenschläge aufgezeigten Erbmechanismen sind auch ein
Erklärungsmuster für weitere in vielen Abbildungen dokumentierte
Färbungen.
Auch für Brieftaubenzüchter sind Kennnisse der Farbgenetik von
Nutzen, wenn es darum geht, traditionelle, aber seltene
Brieftaubenfarben zu erkennen und leistungsstark im Bestand zu
halten. In einigen Fällen ermöglichen Kenntnisse der Farbgenetik
auch ein kritisches Hinterfragen von Stammbäumen.
Die bei der Farbgenetik vermittelten Erbmechanismen, wie Dominanz,
Rezessivität, intermediäre und geschlechtsgebundene Vererbung,
Korrelationen, Koppelungen u.a. können auch auf die Erklärung von
Federstrukturen, Formen und Größeneffekte übertragen werden. Sind
diese Merkmale primär für Rassetauben relevant, betreffen Letal- und
Semiletaleffekte, Erbkrankheiten und Inzuchtdepressionen wiederum
beide Sektionen.
Das gilt auch für Leistungseigenschaften. Sowohl in der
Nutztaubenzucht als auch bei Reisebrieftauben werden zunehmend
molekulargenetische Methoden zur Identifikation leistungssteigernder
Gene eingesetzt. Das wird auch in der Praxis eine zunehmende Rolle
spielen.
Molekulargenetische Analysen werden auch bei der Analyse der
Herkunft und Verwandtschaften von Rassen genutzt. Aussagen in diesen
Berichten stehen zum Teil im Widerspruch zu gut belegten Fakten und
sind nicht gedeckt durch die in den Studien selbst präsentierten
Daten. Die Digitalisierung von Bibliotheksbeständen und Bildarchiven
und der verbesserte Zugang zu Informationen tragen dazu bei, dass
einige gängige Vorstellungen und auch Stammbäume von Rassen
revidiert werden müssen.
Axel Sell und Jana Sell, Genetik der Haustaube. 196 Seiten, 350
Abbildungen. Sell publishing, Achim 2025, Verlag Karin und A. Sell,
Potsdamer Str. 23, 28832 Achim,
www.taubensell.de.
Eine Besprechung in der Geflügel-Zeitung November 2025

Wilhelm Bauer
Seltene Brieftaubenfarben

Die Wirkung der Erbfaktoren Pale und Verdünnung bei rezessiv roten
und schwarzen Tauben

Bestrumpfung bei Orientalischen Mövchen und, bei blaugehämmerten und
dominant roten Kröpfern, schon im 17. Jahrhundert

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