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Historisch
bedeutsame Taubenrassen: Moskauer Graue Tümmler
Entstehung
und Erscheinungsbild
In der in
Moskau 1992 von der Redaktion der Zeitschrift ‚RURAL NOV‘ mit einem
Anhang Haushalt/Landwirtschaft herausgegebenen Broschüre über
russische Taubenrassen werden die anfangs des 19. Jahrhunderts in
Moskau entstandenen Moskauer Grauen gewürdigt. Nach den Weltkriegen
ganz oder nahezu ausgestorben, gab es Versuche, sie wieder entstehen
zu lassen. Entstanden war die Rasse ursprünglich aus der Kreuzung
von Moskauer mit Orloff-Tümmlern. Nach dieser Quelle sowohl mit
Weißen als auch mit Roten.

Taubenrassen 1992 und Taubenzucht
1987
In der
Erinnerung ‚eine Taube von bezaubernder Schönheit: langgestreckt,
wohl proportioniert mit einer tiefen Haltung. Der Flügelbug der
langen Schwingen ragt nahe an der Brust hervor. Die Brust stolz nach
vorne gedrückt. Der Hals lang und majestätisch geschwungen. Der Kopf
hochstirnig und würfelförmig. Die Augen groß, ausdrucksstark
hervorstehend, dunkelsilbern, breite Augenränder. Der Schnabel breit
angesetzt, kurz, kräftig und nach unten gesenkt.
Der weiße oder
aschfarbene Schwanz ist leicht aufgerichtet‘. Mindestens die fünf
äußeren Schwungfedern seien weiß, was bei dem abgebildeten Tier aber
offensichtlich nicht der Fall ist. Die fünf weißen Schwingen auch
genannt bei Romanov/Razbesov 1987, aber auch hier ein einfarbiges
Tier gezeigt. Auf dem Foto von 1992 erkennbar der breite Bürzel, auf
den Dürigen (1923) in einer frühen deutschen Beschreibung hinweist.
Nach Dürigen sollen sich Ober- und Unterschnabel nur in der Spitze
berühren (S. 500). Nach RURAL NOV (S. 13) sei die Bezeichnung ‚grau‘
irreführend. Das Gefieder könne rot, gusseisern oder ziegelrot in
verschiedenen Schattierungen sein. Die Tauben seien zuletzt zu
wertvoll für den Freiflug gewesen. Nur Veteranen würden sich noch an
die famosen Flugleistungen erinnern.

Wie unterschiedlich die
Erinnerungen an zwischenzeitlich ausgestorbene Taubenrassen sein
können! Moskauer Grauroten bei RURAL NOV 1992 und Romanov/Razbesov
1987
Die
genetische Einordnung der Färbung
Joachim Schütte
unterscheidet in seinem Handbuch der Taubenrassen 1971 die Grauroten
und die Grauen als Varianten. Genetisch handelt es sich bei der
ersten Gruppe um Dominant Rote mit einer dunklen Hämmerung wie bei
dem gezeigten Tier bei Rural
Nov. Die ‚Grauen‘ sind auch Dominant Rote, die zusätzlich den
Farbausbreitungsfaktor Spread in Rein- oder Mischerbigkeit besitzen
Farblich variieren sie, was an modifizierenden Faktoren liegt.
Züchterisch können die Varianten problemlos miteinander verpaart
werden. Die Taube auf dem Bild bei Romanov/Razbesov ist schwer
einzuordnen, sie erscheint mehr wie ein alter dominant roter
Stipper-Täuber. Historische Gemälde zur Klärung der Frage scheinen
nicht zu existieren.
Nach Schütte
(S. 262) sollen die Grauen eine helle Schwanzbinde gehabt haben.
Einige von ihnen haben sicherlich eine Aufhellung im Bereich der
Schwanzbinde, die man bei vielen Dominant Roten findet. Aber keine
Aufhellung zu Weiß wie bei Sternschwanztümmlern.
Die
Wiederherstellung aus verwandten Rassen
Nach Hinweisen
in der Literatur wurden Moskauer Graue, oder zumindest dem Phänotyp
ähnliche Tiere, in der Vergangenheit aus der Kreuzung von Tulaer
Sternschwanztümmlern (Dominant Rot) mit einfarbigen Tümmlern
geschaffen. Ein schwarzer Täuber wird mit einer roten Tulaer Täubin
‚Graue‘ hervorbringen. Ein Dunkelgehämmerter mit einer Tulaer Täubin
‚Graurote‘. Wenn der Schwarze Täuber nur mischerbig für den
Spread-Faktor ist, werden ‚Graue‘ und ‚Graurote‘ fallen.
Auch die
Kreuzungen von Tulaer Tümmlern mit geelsterten schwarzen Moskauer
Tümmlern bietet sich an. Für die Vererbung dieser Elsterscheckung
liegen eigene Erfahrungen durch Untersuchungen mit roten
Wolgatümmlern vor, die eine gleichartige Elsterscheckung besitzen
(Sell 2012). Aus der Ausgangspaarung mit Einfarbigen erhält man
‘Buntschläge‘ mit einzelnen weißen Schwingen. Daraus lassen sich
durch Selektion auch Tiere mit korrekt weißen Endschwingen
entwickeln. In der Aufspaltung der ersten Generation werden Elstern
fallen, daneben Weiß- und Buntschläge sowie Einfarbige. Dass der
Optimismus der Autoren des Berichts in ‚RURAL NOWS‘ von 1992, dass
sich neben dem Phänotyp auch die Flugfähigkeit wieder einstellen
wird, scheint unter heutigen Bedingungen für das Halten von
Flugtauben eher zweifelhaft.
 
Wolga-Tümmler, zwei Jungtiere der ersten Generation aus der
Verpaarung mit einer Blaugehämmerten und ausgewählte Jungtiere der F2
Quelle: Sell, Pigeon Genetics 2012
Vorsicht mit
dem ‚Libanonbronze‘
Wolgatümmler
haben wie Libanontauben ein durchgefärbtes rotes Gefieder. Bis auf
die weiße Schwanzbinde auch einen tiefroten Schwanz. Das
widerspricht der Beschreibung der historischen Moskauer Grauen und
Moskauer Grauroten mit aschfahlen Schwänzen und Schwingen. Auch hier
ist Selektion auf das angestrebte Zuchtziel notwendig.

Quelle: Sell, Axel 2011, Genetik der
Taube, russischsprachig
Literatur:
Dürigen, Bruno,
Die Geflügelzucht, Vierte und Fünfte neubearbeitete Auflage, Erster
Band. Arten und Rassen, Berlin 1923
Romanov, V.A., O.K. Razbesov,
Taubenzucht (russisch), Moskau, Agropromizdat 1987
RURAL NOV
(Hrsg.), Anhang Haushalt – Landwirtschaft, Haustauben –
Taubenrassen, Moskau 1992, russisch
Schütte,
Joachim, Handbuch der Taubenrassen, Melsungen u.a. 1971
Sell, Axel,
Генетика голубей Введение в практическую генетику домашних голубей
д.э.н., профессор Аксель Зелль (Genetik der Taube, russian language),
Achim 2011
Sell, Axel,
Pigeon Genetics. Applied Genetics in the Domestic Pigeon, Achim
2012,
www.taubensell.de
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