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Erbsgelb – gemöncht oder nicht gemöncht?

Seit geraumer Zeit gibt es eine Diskussion über die Färbung der erbsgelben Deutschen Schnabelkuppigen Trommeltauben. Wie soll die Abgrenzung von weißem Kopf zu farbigem Brustgefieder verlaufen. Ein allmählicher Übergang oder doch ein klarer Schnitt zwischen farbigen und weißen Federfluren? Aus züchterischer Sicht hängt die Beantwortung der Frage davon ab, ob es ich bei den Erbsgelben um Schecken, in diesem Fall gemönchte Tiere handelt, oder um Gelbfahle mit Selektion auf hellgefärbte Köpfe, die in Weiß übergehen. Schecken sind durch krasse Übergänge von farbigen zu weißen Federfluren gekennzeichnet, für Fahle ohne diese Scheckung sind allmähliche Übergänge typisch.

Testpaarungen zeigten schnell, dass es sich bei den Erbsgelben um die partiell dominante Möchscheckung, und zwar um die schon von Prütz 1885 unterschiedene Variante mit farbigem Schwanz handelt, der bei den Erbsgelben allerding so hell elfenbeinartig ist, dass nur eine sehr genaue Inspektion zeigt, dass die Federn nicht weiß sind. Aus züchterischer Sicht ist wegen des Scheckungscharakters ein deutlicher Schnitt zwischen Weiß und Gelb des Halses zu fordern.

Die aktuelle Musterbeschreibung steht im Widerspruch zu dieser Schlussfolgerung. Die Erbsgelben sind heute ein Farbenschlag der Deutschen Schnabelkuppigen Trommeltauben und werden wie folgt gewünscht: „Erbsgelbe haben leuchtend gelbe Hals-, Brust und Bindenfarbe. Der Kopf ist weiß ohne farbigen Vorstoß zum Auge und ohne deutlichen Kopfschnitt; Flügelschild, Bauch und Rücken sind elfenbeifarbig; Schwanz, Schwingen und Latschen sind weiß. Geringer Pigmentansatz am Unterschwanz sowie bei Täubinnen leichter Grauton an Brust und Bauch zugelassen“.

Um diese Formulierung zu verstehen, muß man in die Geschichte eintauchen und wird erkennen, dass sie letztlich auf eine Fehlinterpretation vor heute fast 80 Jahren bei der Neuformulierung des Standards zurückzuführen ist.

Erbsgelbe Trommeltauben haben eine lange Tradition und werden schon von Gustav Prütz im Mustertaubenbuch von 1885 erwähnt. Dürigen behandelt sie in seiner Geflügelzucht von 1906 unter den Altenburgern, die für ihn ein Sammelbecken darstellen und mal glattköpfig, mal mit Kappe, mal mit und mal ohne Nelke und mal mit und mal ohne Fußbefiederung zu finden seien. Bemerkenswert sein Hinweis, dass es sich bei den Erbsgelben um gelbgemönchte Tiere handle, allerdings anders anzuschauen als bei den Bernburger Trommeltauben. Die Zeichnung zeigt eine schnabelkuppige Erbsgelbe mit deutlichem Kopfschnitt zum farbigen Hals.

Erbsgelbe tauchen im Illustrierten Prachwerk sämtlicher Taubenrassen von Schachtzabel (ohne Jahr, etwa 1911) und auch in der Auflage von 1923 als eigenständige Rasse „Trommeltauben: Einschnippige erbsgelbe“ mit einem Vertreter auf der Farbtafel 51 wieder auf. Das Werk diente als erste inoffizielle Musterbeschreibung für Tauben. Dort heißt es zur Färbung: „Der Kopf bis ¾ cm unter das Auge, die Flügel mit dem Herz, der Rücken, der Hinterleib, die Schenkel- und Fußbefiederung sowie der Schwanz sollen weiß abgetönt und zwar elfenbeinfarbig sein. Der Hals, die Brust bis einschließlich 1/3 der Bauchpartie sollen eine gleichmäßig hellgelbe Farbe haben... Die gelbe Farbe soll an der Bauchpartie scharf abschneiden, dagegen vom Halse nach dem Rücken allmählich verlaufen.“ (Hervorhebung durch den Verfasser). Mit ¾ cm dürften die in späteren Musterbeschreibungen genannten drei bis vier cm gemeint gewesen sein, die auch das Bild zeigt. Die Abbildung zeigt einen klaren Kopfschnitt. Die Formulierung vom Hals nach dem Rücken bezieht sich auf das Auslaufen der gelben Farbe ausgangs des Schulterherzes und hat nichts mit dem Kopfschnitt zu tun.

Dennoch eine folgenschwere Formulierung. In der Musterbeschreibung von 1926 findet sich das so wieder: „Die weiße Farbe des Kopfes geht etwa 3 – 4 cm unter dem Auge sanft in das Gelb des Halses über...“ (Hervorhebung durch den Verfasser). Das ist eine ganz andere Forderung und steht im Widerspruch zum klaren Kopfschnitt. Eine solche Färbung kennt man bei den oben erwähnten Gelbfahlen auch. Man kann sie durch eine starke Selektion auf helle Puderköpfe erreichen. Diese Färbung wird bei den heutigen Altenburger Trommeltauben gelegentlich auch erbsgelb genannt. Das kann nach der klaren Formulierung und der überaus deutlichen bildlichen Darstellung bei Schachtzabel aber nicht gemeint gewesen sein. Zu vermuten ist, dass der oder die Verfasser der Musterbeschreibung bei der Formulierung flüchtig und fehlerhaft vorgegangen sind einfach schlecht informiert waren, die Tiere nicht aus eigenem Augenschein kannten oder, wenn, dann nicht genau hingesehen und sie nicht mit ihrer Formulierung verglichen haben. Die Vermutung der unzureichenden Recherche wird gestützt durch einen zweiten Fehler. Als Abgrenzung zum Vogtländer wird gesagt, der Schwanz sei im Gegensatz zum Vogtländer ohne farbige Schwanzbinde. Gelbfahle haben generell keine farbige Schwanzbinde, und das gilt auch für die Vogtländer. Auch diese offenkundig fehlerhafte Formulierung findet sich bei den Vogtländer Trommeltauben bis zu den ersten Musterbeschreibungen in der Nachkriegszeit, u.a. in der Ausgabe von 1954. In dem Ringbuchordner von Oertel und Spörer 1983 ist das halbwegs korrigiert, denn hier wird gesagt, die Rot- und Gelbfarbigen einschließlich der Erbsgelben hätten die farbige Schwanzbinde in der Mitte der Steuerfedern. Das entspricht aber nicht dem, was man üblicherweise unter einer Schwanzbinde versteht, ist aber als halbwegs geordneter Rückzug zu akzeptieren. Erst in der neuen Musterbeschreibung ist das korrigiert und auf die eher hellere Färbung im Schwanzbindenbereich bei rot- und gelbfarbigen Farbenschlägen verwiesen worden.

Wir halten fest, im Vergleich zum Schachtzabel gibt es zwei wesentliche Abweichungen. Ursprünglich wurde ein klarer Kopfschnitt verlangt, was unter  züchterischen Aspekten vernünftig ist. Die jetzige Formulierung legt eine Umzüchtung auf Gelbfahle mit Puderköpfen nahe, die dann aber Probleme mit der intensiv geforderten Halsfärbung bekommen. Gemönchte, die einen allmählichen Übergang zeigen, sind als genetisch nicht stabile Zufallsprodukte anzusehen. Farblich eher unbestimmt sieht dann auch schon ein Teil der vorgestellten Tiere aus. Ob der Schwanz als weiß oder korrekt als so hell elfenbeinfarbig beschrieben wird, dass er fast weiß erscheint, ist dagegen für die Praxis eher nebensächlich.

 

                                 

Erbsgelb auf der Lisia 2003                Schachtzabel 1911,1923

Kreuzungstier aus Erbsgelb